Frage eines Lesers: «Ich bin schnell neidisch. Was kann ich dagegen tun?

Der Ursprung Ihres Schreibens liegt bei Ihrem Sohn. Er, ein leidenschaftlicher Tennisspieler, hat bei einem lokalen Turnier nicht gewonnen, sondern wurde Zweiter. Auf der Heimfahrt musste er neben dem Gewinner sitzen – seinem besten Freund.

Ihr Sohn konnte seine Enttäuschung und seinen Neid kaum verbergen, und so entstand ein Streit zwischen den beiden. Am Abend besprachen Sie, die Eltern, das Ganze mit ihm und sagten, dass er sich doch für seinen besten Freund hätte freuen sollen. Irritierend für Sie war der Hinweis Ihrer Frau, dass ja auch Sie oft neidisch seien.

Partnerinhalte
 
 
 
 

Einerseits traf Sie das, weil sie recht hatte, anderseits finden Sie, dass Ihr Neid auch eine Berechtigung hat und nicht nur unterdrückt werden soll. So entstand die Frage, wie man mit Neid umgehen soll.

Neid ist ein Gefühl, das wir alle kennen. Er ist eine Mischung aus Gefühlen und besteht meist aus Anteilen von Angst, Wut und Traurigkeit. Genauso hat es Ihr Sohn erlebt. Im Auto zeigte er vor allem seine Wut – auf den Sieger und versteckter wohl auch auf sich selbst Fehler Wie man lernt, sich selbst zu verzeihen . Vor allem aber war er traurig. Gleichzeitig hatte er Angst, wie Sie als Eltern reagieren und wie der Trainer reagiert, nun, da er «nur» Zweiter geworden war – und was das für seine Tennisträume bedeuten wird. 

Neid entsteht meist nur in der Verbindung zu anderen respektive durch das Vergleichen mit anderen Resilienz fördern «Wir brauchen Zonen ohne Wettkampf» . Da geht es plötzlich nicht mehr nur um Silber und Gold, sondern um den Überlebensinstinkt. In der Steinzeit entschied das Wohlwollen der Gruppe, ob man Teil der Gruppe blieb oder ausgestossen wurde – und so meist starb. Deshalb treiben uns soziale Gefühle um und können nicht so einfach abgelegt werden.

Was kann ich Ihnen nun raten?

Es gilt, Neid zu akzeptieren und zu normalisieren Neid und Selbsthass Wie wird man zufrieden? . Ihr Sohn lernt das gerade. Wichtig ist, dass er ein Bewusstsein dafür entwickelt und es auch benennen und einordnen kann.

Probleme entstehen oft, wenn Neid nicht erkannt wird und dann etwa nur die Wut auf andere und an anderen ausgelebt wird. Helfen Sie Ihrem Sohn, indem Sie beim Erzählen kurzer Ereignisse aus Ihrem Alltag eigene Gefühle benennen und erklären, wie Sie damit umgegangen sind. Zum Beispiel als Sie bei der Projektvergabe nicht berücksichtigt wurden.

Neid hat zwei Seiten und darum auch eine Berechtigung. Einerseits hilft Neid uns, zu definieren, was wir erreichen möchten oder was uns fehlt. Anderseits ist er vor allem ein sogenanntes Mangelgefühl. Wenn dieses verstärkt wird, kann das zu Verbitterung oder Resignation führen.

«Der Hauptschalter für den Umgang mit Neid liegt im Selbstmitgefühl.»

Thomas Ihde, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH

Ein Schlüssel liegt im umsichtigen Umgang mit dem Sich-mit-anderen-Vergleichen. Das Problem ist, dass wir es heute ständig tun. Neben sich zu stehen und sich von aussen zu betrachten – sich zu überlegen, wie man auf andere wirkt –, ist einer der energieintensivsten Prozesse, die der Mensch respektive unser Gehirn kennt. Hirnforscher Lutz Jäncke «Wir können kein Multitasking» Die Evolution ging einmal davon aus, dass wir das zehn Minuten pro Tag machen würden – maximal.

Der Hauptschalter für den Umgang mit Neid liegt im Selbstmitgefühl Umgang mit Sensibilität Was Sie tun können, wenn Ihr Umfeld meint, Sie seien zu sensibel . Am meisten Mühe hatte Ihr Sohn mit der Traurigkeit und dem Sich-Trösten, eben dem Selbstmitgefühl.

Aktuell erhält er den Trost in Form einer Umarmung von Ihnen oder im Zusammensein mit dem Hund, den er innig liebt. Er muss lernen, das zu verinnerlichen.

Schildern Sie ihm Ihre Erlebnisse, erzählen Sie ihm, wie Sie sich trösten. Und erklären Sie ihm auch den wichtigen Unterschied zwischen Selbstmitleid, einer versteckten Form von Wut, und Selbstmitgefühl, der inneren Umarmung und dem Sich-Trösten. 

Buchtipp
Der Schlüssel zum Gehirn – nutze dein Potenzial
Der Schlüssel zum Gehirn – nutze dein Potenzial

Der Beobachter-Gesundheits-Newsletter. Wissen, was dem Körper guttut.

Lesenswerte Gesundheitsartikel mit einem wöchentlichen Fokusthema. Jeden Montag.

Jetzt gratis abonnieren